Mit 40 zu alt für ein Abenteuer?

Neulich erzählte ich meinem Nachbarn von der bevorstehenden Reise an die Ostsee und dem geplanten Törn durch die dänische Südsee hoch nach Schweden bis zum Stockholmer Schärengarten. Mit einer Mischung aus Neugier und Irritation zugleich hörte er mir zu. „Ich möchte dir wirklich nicht zu nahe treten, aber ist das nicht etwas riskant mit 40 Jahren noch so ein Abenteuer zu wagen?“, fragte er, offensichtlich ehrlich besorgt um meine Sicherheit.

Es ist wahr, dass ich mit meinen 40 Jahren im Kielwasser schon den einen oder anderen Kratzer abbekommen habe im Leben. Auch ist die Haut nicht mehr ganz so glänzig und glatt wie bei einem Frischgetauften. Mein Bauch ist eher tonnenförmig und entspricht meiner Generation mit Jahrgang 1978. Immerhin weise ich aber auch nach vier Jahrzehnten noch immer keine Spur von Osmose aus, was doch, bitte sehr, beachtlich ist und dafür spricht, dass ich auch die kommenden Jahrzehnte osmosefrei durch die See pflüge. Wenn die Verhältnisse stimmen, bin ich immer ein paar Minuten vor meiner gleichaltrigen Konkurrenz im Ziel. Auch mit Jüngeren kann ich es durchaus aufnehmen und brauche mich mit meinem Geschwindigkeitspotential nicht zu verstecken. Wahrscheinlich hat das auch mit meinem 14 Meter langen Spargel zu tun. Wer jetzt meint, das komme alles ein bisschen oberflächlich daher, muss wissen, dass ich mit 1,83 Meter einen beachtlichen Tiefgang habe, der Garant dafür ist, dass ich spurtreu mein Ziel erreiche!

Aber nicht nur auf die äusseren Werte kommt es an. Die inneren Werte zählen ebenso. Kommenden Winter bekomme ich ein funkelnagelneues Funkgerät mit AIS-Empfänger. Dazu kommt ein modernes GPS-Multifunktionsdisplay und ein Autopilot, der es meinem Skipper erlaubt, die Segel zu setzen oder auf dem Vorschiff zu arbeiten, während ich brav wie auf Schienen meine Spur halte. Der Bug bekommt eine neue Ankerwinde verpasst, und so bin ich trotz meinen 40 Lenzen fit für das grosse Abenteuer. Sollen die doch denken, was sie wollen, ich bin stolz auf mein Alter, denn ich bin La Cabane und gehöre noch lange nicht in den Ruhestand.

5 Kommentare zu „Mit 40 zu alt für ein Abenteuer?

  1. genial geschrieben! Im ersten Moment wollt ich mich schon ärgern über Leute, die einen 40-jährigen Segler zu alt finden. Dann hab ichs erst überlauert!! Captain Christoph und ich sind übrigens 50 und 49 Jahre alt und Maha Nanda ist 38, und niemand von uns drei fühlt sich zu alt für die Atlantiküberquerung 😉

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  2. Lieber Paps,
    jetzt habe ich deinen Blog auch endlich mal gefunden! Ich hoffe, dass du ihn ganz oft updatest, damit ich weiss, wo du gerade unterwegs bist – sonst mache ich mir doch Sorgen! Ich freue mich, dass du mit der Cabane und Bootsmann-Barney in See stichst. Ein prima Abenteuer! Grüssli und Küssli!
    (Ich habe ein paar Freund_innen, die in ihren Auslandsjahren zwei Monate lang halbherzig gebloggt haben und es dann aufgegeben haben, und die einzigen Kommentare, die sich unter den Posts finden, sind von Grossmüetis und Onkeln, die schreiben: „Liebe Laura, der Ätti und ich freuen uns, dich so glücklich zu sehen in Australien! GLG Tanti Melanie“. Das mache ich jetzt auch auf deinem Blog.)

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