Hotel-Bravo-Yankee aus Bagenkop

Landratten, this is Hotel-Bravo-Yankee, Five-two-three-two. Meine Position ist Bagenkop (DK), an Bord von La Cabane. Wetter gut, Stimmung gut. Das war nicht immer so.

Seit unserer Ankunft in Kappeln habe ich selten so eine intensive Achterbahn der Gefühle erlebt, wie in den vergangenen sechs Tagen. Nach zwölf Stunden Autofahrt von Wasterkingen nach Kappeln, sind wir, also meine Frau Carola und ich mit Labradoodle Barney letzten Samstag fix und fertig in Kappeln angekommen. Ich habe „La Cabane“ sofort am Ende des Stegs erkannt. Sie lag da mit ihren bekanten blauen Zierstreifen, aber ohne Mast sah sie jämmerlich aus. Das hässliche Entlein wäre ein Schwan dagegen. Das war allerdings so abgemacht, denn beim Mast-stellen („Aufriggen“) am Dienstag wollte ich dabei sein. Nicht abgemacht war allerdings, dass das Holzdeck aussah, als hätte jemand mit einem Brenneisen seine Insignien darauf hinterlassen.

Als ich begann, den Trinkwassertank zu füllen, rief plötzlich Carola, die unter Deck am Einräumen war, laut um Hilfe. In der Nasszelle spritze eine gewaltige Wasserfontäne mit Hochdruck in das Schiffsinnere und setzte innert Sekunden alles unter Wasser. Glücklicherweise entdeckte ich rasch das Problem, denn eine Rohrschelle  hatte sich gelöst und die Wasserpumpe drückte das Frischwasser fröhlich ins Leere, bzw. eben in das Schiff hinein. Das war eine riesen Sauerei und bevor wir auf La Cabane einziehen konnten, musste erst einmal das Wasser eimerweise aus dem Schiff geschöpft werden.

So wechselten sich die folgenden Tage Glück und Frust in einer kaum dagewesenen Kadenz. Das muss wohl so sein, hier im Norden, denn die Leute selbst haben hier die Ruhe weg. Problem? Ja, dann gucken wir uns das doch mal an. Und dann wird geguckt.

Am Montag fuhr ich Carola mit dem Auto nach Graal Müritz, wo sie eine Weiterbildung besucht. Dieser Tagesausflug mit Sightseeing in Rostock war ein Abschied auf Raten, der mich mehr hergenommen hatte, als gedacht. Denn als ich am Abend zurück war auf dem Schiff, allein, und sah, was noch alles zu erledigen war, wurde mir ganz anders.

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Barney ist bereit!

Aber heute ging’s endlich los. Bagenkop stand auf dem Plan. Der Wetterbericht sagte mässigen Wind aus Südwest um 3-4 Beaufort voraus, auffrischend auf 5-6 Beaufort im Lauf des späteren Nachmittags. Das bedeutete heute früh aufstehen, damit ich rechtzeitig in Bagenkop festliege, bevor der Wind stärker wird. Der Plan ging auf. Ich liege nun mit La Cabane fest in Bagenkop und unterdessen nimmt der Wind an Kraft zu und bläst mittlerweile im Hafenbecken mit satten 6 Beaufort (25 Knoten). Ich bin froh, in Sicherheit zu sein.

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Die Premiere auf der Ostsee ist geglückt. Der Autopilot war die richtige Entscheidung und auch der GPS-Plotter war mir eine sehr grosse Unterstützung. Unterwegs wurde ich sogar von zwei Schweinswalen begleitet. Was für ein Tag, was für eine Woche! Im Hafen Bagenkop war mir eine deutsche Crew behilflich beim nicht ganz einfachen Rückwärts-Anlegen in der Box mit bereits kräftigem Seitenwind. In der Zwischenzeit, beim Schreiben dieser Zeilen, neigt sich der Mast bereits spürbar zur Seite, allein durch die Kraft des Windes. Hatte ich schon erwähnt, froh zu sein, einen sicheren Platz gefunden zu haben?

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Der Wind soll die nächsten Tage so bleiben. Ich habe Zeit. Das ist gut. Wie schön!

2 Kommentare zu „Hotel-Bravo-Yankee aus Bagenkop

  1. Hey Skipper
    In so kurzer Zeit schon soooo viel erlebt, was will man mehr? Genau deshalb hast du doch dieses Abenteuer gestartet. Ich wünsche dir weiterhin gute Tage.
    Bis bald, Andreas

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