T minus 4

Es ist unglaublich. Heute in vier Wochen werde ich auf unserer SY La Cabane in Kappeln sein. Wie oft habe ich mich diesen Satz schon reden hören: „heute in…“. Vor nicht allzu langer Zeit hiess es noch „in zwei Jahren“, dann „in einem Jahr“, dann „in einem Monat“ und bald wird es „Jetzt!“ heissen.

Was hier nach einer mathematischen Formel aussieht, ist alles andere als kausal-Logisch. „T“ steht abgekürzt für „Time“ (Zeit). Zeit ist in diesem Zusammenhang ein philosophisches Konstrukt, kein mathematisch streng abzugrenzendes Etwas. „T“ hat zunächst ganz viel mit Emotionen und inneren Bildern zu tun.

Was das bedeutet, kann ich zunehmend erahnen. Die Bilder, die in mir hochsteigen, sind durchaus ambivalent. Ich sehe mich an Deck zusammen mit meinem Labradoodle Barney in der wärmenden Abendsonne rumfläzen. Mal sehe ich mich in Ölzeug eingewickelt am Steuer stehen. Dann sehe ich mich mit der Leine in der Hand in einem fremden Hafen einen Liegeplatz suchend. Oder ich sehe mich vor der Frage, was ich am Abend kochen will. Es sind tausend Bilder, die in mir hochsteigen. Welche davon sich als sich selbst erfüllende Prophezeiungen erweisen, wird sich zeigen.

Selten hat mich ein Projekt so sehr in Beschlag genommen, wie diese Expedition. Das Organisatorische ist das Eine, und ich glaube, was die Planung betrifft, bin ich gut unterwegs. Seit rund zwei Jahren notiere ich laufend, was mir spontan einfällt, das auf die Packliste gehört oder was noch an Behördenkram abzuklären ist.


Ich bin dann mal weg: Leinen los nach Friedrichshafen zum Krantermin am 16.10.2018.

Viel unberechenbarer ist da der Faktor Mensch, sprich der Skipper, und der bin ich. Es ist so eine Art psychologischer Selbstversuch. Ich hoffe, dass ich in der Einsamkeit nicht zu einer Art Ostsee-Yeti mutiere. Ich freue mich auf diese Erfahrung. Es ist nicht das erste Mal, dass ich für eine Weile alleine unterwegs bin. Ich war als junger Mann einige Male in einer Schweigewoche im französischen Taizé oder einen Monat lang auf Reisen durch den Nordosten Brasiliens. Auch auf La Cabane war ich schon oft alleine unterwegs. Oder vor zwei Jahren auf dem so genannten Schwabenweg von Konstanz nach Rapperswil auf dem Pilgerweg. Alleinsein empfinde ich als heilsam. Ich glaube, wer es nicht mit sich selbst aushält, wird auf Dauer auch für seine Umwelt zu einer Plage.

Deshalb ist ein starkes Grundgefühl, das ich im Moment empfinde – neben aller begründeten und unbegründeten Nervosität – eine tief empfundene Dankbarkeit. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass ich dieses Sozialexperiment machen darf. Es ist ein Privileg.

2 Kommentare zu „T minus 4

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