Vom Eiland, das der Bucht den Namen gab

Das wollte ich schon immer einmal erleben. Einfach geradeaus laufen, um nach einer Weile wieder am selben Ort anzukommen, wo ich gestartet war. Hanö ist ein kleines Eiland im Süden Schwedens, das der riesigen Hanöbucht den Namen verlieh. Heute habe ich mit Barney die nur etwas mehr als 2 km2 grosse Insel umwandert. In zwei Stunden ist das zu machen. Die Insel ist ein einzigartiges Naturreservat, und man hört tausende Vögel mit ihrem kaum dagewesenen Zwitschern, Trillern, Quaken, Schreien, Schnattern und Kreischen. Es ist unglaublich. Man fühlt sich als Teil einer riesigen Freiluft-Volière. Dazwischen eine kleine Herde Rehe, die uns aus sicherer Distanz beobachten. Hanö, das ist ein kleiner, ehemaliger Fischerhafen, ein paar dutzend bunte Häuschen um das Hafenbecken, kein Shopping, keine Tankstelle, keine Autos. Alle zwei Stunden legt hier die Fähre an, die das Eiland mit dem Festland verbindet. That’s it – hier gefällt’s mir!

Gestern bin ich nach einer rund vierstündigen Fahrt von Åhus hier gelandet. Der Wind wurde unterwegs, wie angekündigt, zunehmend stärker und immer von vorne, platt auf die Nase. Raum zum Kreuzen wäre zwar da gewesen, aber dann hätte ich länger gebraucht, und ich wollte nicht bei noch stärkerem Wind im Hafen ankommen. Unterwegs hörte ich im Süden im Schiessübungsgebiet der schwedischen Marine «Ravlunda» die Geschütze der Kriegsschiffe. Gegen das dumpfe Donnern der mächtigen Kanonen ist der laute Schlussböller am Feuerwerk des Zürcher Seenachtsfestes ein feuchter Mäusefurz. Man sagt hier, dass die skandinavischen Länder vermehrt solche Schiessübungen durchführen, weil sie sich durch das nur lächerliche 200 Seemeilen entfernt liegende Russland stärker bedroht fühlen. Immer wieder habe ich mich auf der Seekarte vergewissert, dass ich auch ja nicht in das Schiessgebiet hineinfahre. Drauf ankommen will ich’s nicht lassen. Wird man in so einem verbotenen Gebiet von der Küstenwache aufgegriffen, wird’s richtig teuer.

Åhus hat mir sehr gut gefallen. Die Stadt liegt an der Mündung des Flusses Helge. Das Städtchen bildet am Pilgerweg nach Santiago de Compostela eine Zwischenstation. Die Sta. Mariakirche ist ein ehemaliges Dominikanerkloster und bietet den Pilgern Richtung Süden eine vorübergehende Bleibe. Von hier führt der Jakobsweg nach Trelleborg, von wo man Richtung Deutschland übersetzt. Am Pfingstsonntag besuchte ich den evangelischen Gottesdienst in der Sta. Mariakirche. Ich verstand zwar nicht viel, aber das Thema war natürlich der Heilige Geist («Helig ande»), der an Pfingsten ausgesendet wurde. Obwohl ich sprachlich wenig verstand, begriff ich mich als Teil der weltweiten, christlichen Gemeinschaft. Das war wohltuend und stärkend zugleich. Beim Abendmahl sang die Gemeinde bekannte Lieder aus Taizé, bei denen ich mithalten konnte. Gestaunt habe ich nicht schlecht bei der Ankündigung der Kollekte. Man konnte entweder ganz traditionell seinen Obulus in den Klingelbeutel geben, der reihum ging oder, wenn man es gerne modern hat, eine sms an eine bestimmte Nummer senden mit dem Vermerk «kollekt» und dem gewünschten Spendenbeitrag. Die Ansage wurde auf Bildschirmen übertragen, die auch die Liednummern- und Lesungstexte ankündigte. So machen das die Schweden!

Nun aber geniesse ich noch einen Abend in diesem wunderbaren Naturreservat Hanö und hoffe, morgen weiter Richtung Karlskrona segeln zu können.

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