And what’s your story?

Gestern war es stürmisch. Das bedeutete Hafentag. Ich mache sozusagen Ferien in meiner Auszeit. Bereits in Bagenkop wurde ich „eingeweht“. So nennt man das, wenn man beschliesst, aufgrund des Wetters im Hafen zu bleiben. Wir lagen im Yachthafen von Gedser, einem kleinen Dorf am südlichsten Punkt Dänemarks auf der Insel Falster. Wir, das sind Andreas und ich mit Barney. Zu dritt segeln wir seit Montag, und ich geniesse das in vollen Zügen. Andreas und ich haben zusammen studiert und über unser gemeinsames Hobby Segeln kreuzen sich unsere Wege immer wieder. Er kam in Heiligenhafen an Bord, von wo wir über Burgstaaken hierher gesegelt sind.

Beste Freunde: Andreas und Barney

In Burgstaaken habe ich mir einen Heckanker gekauft, von dem ich hoffe, dass er mir dereinst gute Dienste leisten wird. Vorgestern haben wir den Schlag von etwas mehr als dreissig Seemeilen von Burgstaaken hierher in gut fünf Stunden bei herrlichsten Bedingungen zurückgelegt. Der achterliche Wind, das heisst mässiger Rückenwind aus Nordwest mit vier bis fünf Beaufort, pustete uns mit gut sieben Knoten Fahrt Richtung Gedser.

Nun, an diesem stürmischen Tag im Hafen von Gedser, legte vor einer Stunde John vor unserer La Cabane an. John ist alleine unterwegs auf einem Segelschiff von gut sechs Metern Länge. Wir waren ihm beim Anlegen mit starkem Seitenwind behilflich. Im Gespräch mit ihm wurde ich einmal mehr von meinen Emotionen beinahe überrollt. John lebt in Neuseeland, hat sich aber in dieses Segelrevier verliebt und sich in Schweden sein Schiff für 6’000 Euro gekauft. Heute kam er auf direktem Weg von Malmö hierher. Diese Etappe kostete ihn 26 Stunden. Alleine. Ohne Schlaf. Behindert. John segelt seit dreizehn Jahren und hatte vor sieben Jahren einen Unfall. Nun bewegt er sich an Bord seines Schiffs mit den Händen robbend über das Deck. And what’s your story?, fragte er mich.

Als ich mich vorstellte und ihm meinen Vornamen sagte, fragte er, ob ich aus Italien oder Spanien komme, wegen des Vornamens und ich erzählte ihm meine Geschichte. Du kommst auch aus Brasilien?, rief er erfreut, er sei in Brasilien geboren und sofort unterhielten wir uns weiter auf Portugiesisch, das ich sowieso viel besser kann, als Englisch. Ich fragte ihn, wie er das alleine schaffe, mit seiner Behinderung bei solchem Wetter und ganz alleine. Er erzählte mir, dass das ganz gut gehe, aber dass er ständig seekrank werde. „Wirklich, du auch?“, fragte ich ihn, mir geht es nämlich genauso. Auf der Fahrt von Bagenkop nach Heiligenhafen habe ich zweimal über die Reling gekotzt. Und „denkst du nie ans Aufgeben?“. Doch, doch, jedesmal, aber an schönen Tagen ist alles wieder ganz anders, sagte er fröhlich. Er müsse jedesmal kotzen, das sei schrecklich, aber er segle schon seit dreizehn Jahren auf den Weltmeeren umher. Zweimal habe er den Pazifik schon überquert und einmal den Atlantik, aber die Ostsee habe ihren ganz eigenen Reiz, sei aber mit ihren kurzen Wellen auch besonders anspruchsvoll. Auf dem Ozean habe man lange Wellen, da surfe man mit dem Boot wie in einem Cadillac über das Wasser, aber hier sei es schon schwerer. Wir unterhielten uns und in mir wuchs die Bewunderung für diesen Menschen, für diesen Willen und diese Fröhlichkeit. Wir verabschiedeten uns und dann ging er schlafen.

John’s Boot in Gedser

Heute wurden wir für unseren Hafentag belohnt. Ein Segeltag vom Feinsten liegt hinter uns und wir haben nach rund 32 Seemeilen Klintholm auf der Insel Møn erreicht. Der wunderbare, stahlblaue Himmel und der gleich an den Hafen anschliessende Sandstrand waren die Sahne auf diesen fantastischen Segeltag.

Unterwegs nach Klintholm
Der Strand von Klintholm

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